XXXIV discipulae discipulique iter in Augustam Treverorum faciebant

In TrierVom neunten bis zum dreizehnten Tag des Monats, der nach dem römischen Kriegsgott Mars benannt ist, unternahmen 34 Lateinschülerinnen und Lateinschüler der Klassen 9 zusammen mit ihren Begleitlehrkräften, Frau Buck und Herr Dobler, eine Studienfahrt in die älteste Stadt Deutschlands, nach Trier.
Nachdem am Montagmittag nach einer viereinhalbstündigen Busfahrt Trier erreicht war und die durchaus komfortablen Zimmer im Neubau der Römerstadt-Jugendherberge bezogen waren, startete das Programm mit einem Stadtrundgang zu einigen der römischen Baudenkmäler in Trier. Zunächst ging es zur Römerbrücke, der ältesten noch für den Verkehr benutzten Straßenbrücke nördlich der Alpen, deren Fundamente im 2. Jahrhundert nach Christus gelegt wurden. In ihrer unmittelbaren Umgebung wurde im Jahr 18/17 v. Chr. eine erste Brücke über die Mosel gebaut, deren Holzpfähle man mit Hilfe der Dendrochronologie (Bestimmung des Alters mittels der Jahresringstruktur des Holzes) datieren konnte. Diese erste Brücke ist im Kontext der Stadtgründung zu sehen, die man entsprechend datiert und so hat Trier im Jahr 1984 seinen 2000. Geburtstag gefeiert. Nicht weit von der Moselbrücke entfernt befinden sich die Überreste der Barbarathermen, die die Gruppe als nächstes ansteuerte. Die Barbarathermen, die in der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts nach Christus errichtet wurden, waren zu ihrer Zeit die größte Badeanlage im römischen Reich außerhalb der Stadt Rom. Heute können ihre Reste von einem Besuchersteg aus betrachtet werden, auf dem auch einige Informationstafeln angebracht sind, die die Barbarathermen den Besucherinnen und Besuchern auch in einfacher Sprache nahebringen. Danach ging es zu den Kaiserthermen, die am Anfang des 4. Jahrhunderts, als Kaiser Konstantin in Trier residierte und Trier seine Blütezeit als Kaiserresidenz erlebte, gebaut wurden. Die Thermen wurden jedoch nie als solche genutzt, weil Konstantin noch vor ihrer Fertigstellung seine Residenz in das neu gegründete Konstantinopel verlegte. Nichtsdestotrotz kann man noch heute die beeindruckenden unterirdischen Anlagen mit den In TrierGängen für die Sklaven und den Abwasserkanälen durchstreifen. Dieser erste Programmblock endete am Marktplatz, wo am sogenannten Roten Haus die lateinische Inschrift betrachtet wurde, die besagt, dass Trier schon 1300 Jahre vor Rom, also im Jahr 2053 v. Chr. gegründet worden sei; bezugnehmend auf eine im Mittelalter aufgekommene Sage, die von einer Gründung der Stadt durch einen assyrischen Prinzen namens Trebeta berichtet. Am Abend stand mit der Erlebnisführung „Das Geheimnis der Porta Nigra“ mit einem römischen Centurio, einem Hauptmann der römischen Armee, ein erster Höhepunkt auf dem Programm. Der Centurio entführte die Gruppe in die Römerzeit und vermittelte eindrucksvoll die Geschichte der Porta Nigra, dem wohl bekanntesten Gebäude Triers.
Am zweiten Tag besuchte die Gruppe am Vormittag das Rheinische Landesmuseum, das unter anderem mit beeindruckenden Mosaiken, imposanten Grabdenkmälern und nicht zuletzt einem sehr wertvollen Goldschatz aufwarten kann. Am Nachmittag stand die Besichtigung weiterer Baudenkmäler auf dem Programm: Zunächst ging es in die zu Beginn des 4. Jahrhunderts erbaute Konstantinsbasilika, einstmals repräsentative Palastaula von Kaiser Konstantin, in der er Audienzen abhielt, und heute evangelische Stadtkirche von Trier. Danach ging es zu den Thermen am Viehmarkt, die erst in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts beim Bau einer Tiefgarage entdeckt und ausgegraben wurden. Die Ausgrabungsanlage, inzwischen von einem monumentalen Glasbau geschützt, beinhaltet Funde aus verschiedensten Zeiten, angefangen mit einigen wenigen Überresten aus dem 1. Jahrhundert und einer römischen Badeanlage aus dem 4. Jahrhundert bis hin zu mittelalterlichen Latrinenschächten und Kellerräumen eines barocken Kapuzinerklosters. Abends schaute die Gruppe noch gemeinsam eine Dokumentation, in der die letzten 24 Stunden von Pompeji und die Schicksale einzelner Bewohner beleuchtet wurden.
In TrierAm Mittwoch ging es per Bus und Bahn und auch per pedes (zu Fuß) ins Saarland zu den römischen Villen von Borg und Nennig. An diesem Tag verlangten Wind und Wetter der Gruppe einiges ab, fast den ganzen Tag regnete es und auf den Höhen des Saarlands blies ein kräftiger und kalter Wind. In Borg konnte die Gruppe eine „Villa rustica“ besichtigen, die nach römischem Vorbild auf den ehemaligen Grundmauern rekonstruiert wurde. Besonders beeindruckend sind hierbei die in die Villa integrierten Thermen inklusive einer Latrinenanlage und die Küche nach römischem Vorbild. Nicht weit entfernt von Borg liegt die Villa von Nennig mit ihrem prachtvollen, hervorragend erhaltenen Mosaikfußboden, der verschiedene Szenen aus dem Amphitheater zeigt. Abends zurück in Trier lasen und spielten die Schülerinnen und Schüler in zwei Gruppen in lateinischer Sprache Szenen aus der Liebestragödie von Pyramus und Thisbe, dem antiken Vorbild von Romeo und Julia.
Am Donnerstagmorgen ging es in drei Gruppen zu dem Gräberfeld unter der ehemaligen Benediktinerabtei St. Maximin. Jede Gruppe bekam eine einstündige unterirdische Führung zwischen zahlreichen sehr gut erhaltenen Steinsarkophagen hindurch, bei der die Geschichte dieses Gräberfelds und die römische In TrierBestattungspraxis vermittelt wurden. Am Nachmittag ging es in das etwas außerhalb von Trier gelegene Amphitheater, wo die Erlebnisführung „Mythos Gladiator“ auf dem Programm stand. Ein Schauspieler schlüpfte in die Rolle eines Gladiatoren, erläuterte die Entwicklung der Gladiatorenspiele zu römischer Zeit und ließ die Schülerinnen und Schüler auch mit Schild und Schwert und mit dem Netz des Retiariers, eines bestimmten Gladiatorentypus, trainieren. Im Anschluss wurden im Dommuseum noch die konstantinischen Deckengemälde besichtigt und ein Film angeschaut, der die Restaurierung und Rekonstruktion dieser Deckengemälde gut veranschaulichte. Abends gab es dann noch ein Pub-Quiz, bei dem die Schülerinnen und Schüler hochmotiviert um den Siegespreis kämpften.
Am Freitagmorgen besuchten die Lateinschülerinnen und Lateinschüler den Trierer Dom, die älteste Kirche in Deutschland, der mit einer beeindruckenden Baugeschichte aufwarten kann. Man bekam bei der Führung unter anderen eine Vorstellung von den Ausmaßen der ursprünglichen Kirchenanlage in der Spätantike, erfuhr Historisches und Sagenhaftes über den vor der Kirche liegenden Domstein, einem Teil einer einst im Dom verbauten Säule, und auch einiges über die bedeutendste Reliquie des Trierer Doms, den heiligen Rock. Ein Film in der Dominformation über den Trierer Dom rundete diesen Programmpunkt ab. Danach war noch ein wenig Zeit, um sich zu verpflegen und um die Mittagszeit ging es dann nach vier erlebnisreichen Tagen wieder zurück nach Schramberg.

Matthias Dobler