Meet a Jew

Meet a JewWie bereits im vergangenen Jahr nutzten wir im Rahmen des Religions- und Ethikunterrichts das Angebot des Projekts „Meet a Jew,“ um den Schülerinnen und Schülern der sechsten Klassen einen direkten und persönlichen Einblick in jüdisches Leben zu ermöglichen. Ziel des Projekts des Zentralrats der Juden in Deutschland ist es, jungen Menschen die Gelegenheit zu geben, mit Jüdinnen und Juden ins Gespräch zu kommen, Fragen zu stellen und auf diese Weise Wissen zu vermitteln sowie antisemitische Vorurteile abzubauen.
Für unsere Klassen waren diesmal Emilia, die derzeit in Israel lebt, sowie Carola und Ilana in zwei Räumen zugeschaltet. Die drei Gesprächspartnerinnen berichteten bereitwillig von ihrem Alltag, ihren persönlichen Erfahrungen und davon, wie sie jüdisches Leben in Deutschland wahrnehmen.
Zu Beginn interessierten sich die Schülerinnen und Schüler besonders für religiöse Regeln und Traditionen im Alltag – etwa für die Frage, wie das Gebot, koscher zu essen, im täglichen Leben umgesetzt wird. Schnell wurde deutlich, dass es auch innerhalb des Judentums ganz unterschiedliche Auffassungen darüber gibt, wie streng bestimmte Regeln eingehalten werden. Wie Carola sagte: „Nur damit ihr es wisst – es gibt sehr viele verschiedene Meinungen hierzu.“
Im weiteren Verlauf des Gesprächs kamen auch persönliche Erfahrungen mit Vorurteilen und Diskriminierungen zur Sprache. Die Schülerinnen und Schüler erfuhren, dass antisemitische Vorfälle in den vergangenen Jahren spürbar zugenommen haben. Sowohl Ilana als auch Emilia berichteten von ernsten Erfahrungen aus ihrem persönlichen Umfeld – Situationen, die sie in dieser Form vor einigen Jahren noch nicht erlebt hätten. Es sei heute nicht mehr selbstverständlich, offen jüdisch zu leben. Wie Ilana erklärte, begegne ihr zwar weiterhin viel Offenheit, Freundlichkeit und ehrliches Interesse. Dennoch sei die Vorsicht gewachsen, das eigene Judentum öffentlich sichtbar zu zeigen. Gerade diese persönlichen Einblicke machten den Schülerinnen und Schülern deutlich, dass Antisemitismus kein Thema der Vergangenheit ist, sondern Menschen auch heute noch unmittelbar betrifft.

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